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Paul Hubers «Gratulations-Kanon»

Paul Hubers «Gratulations-Kanon»
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Paul Huber (1918-2001) war einer der prägenden Schweizer Komponisten. 2026 jährt sich sein Todestag zum 25. Mal. Zu seinen Ehren veröffentlicht «unisono» ein Interview aus der MAESTRO-Jubiläumsausgabe 1995, geführt von René Messmer, veröffentlicht in der Blasmusikzeitung 15-16/95.

In der Reihe «Gefragte Musiker - kurz befragt» ist folgendes Interview mit Prof. Dr. h. c. Paul Huber, St. Gallen, erschienen.

Porträtfoto von Paul Huber im Jahr 1993
Paul Huber, Komponist aus St. Gallen (1918-2001)

September 1984: Ich habe das Bild noch gut in Erinnerung, wie Sie von der Kanzel der randvollen Weinfelder Kirche einen Vortrag über sakrale Musik gehalten haben. Wieso sind Sie nicht Pastor geworden?

Ich wollte schon immer Musiker und Komponist werden.

10 Jahre später: Die Wettstückliste des EMV ist überarbeitet worden. «Bergruf», «Der Dämon» sowie «Pilatus» sind von der Höchstklasse in die erste Klasse zurückgestuft worden. Was meinen Sie dazu?

Diese Rückstufungen sind für mich unverständlich. Sicher werden sie sich für die Interpretation der betreffenden Kompositionen nachteilig auswirken.

Am 17. Februar durften Sie bereits den 77. Geburtstag feiern. 1996 werden die Neuklassierungen «lnvocatio», «Intrada sinfonica» und «Intermezzo» von Ihnen in der Wettstückliste erscheinen. Arbeiten Sie demnach so fruchtbar weiter?

Ich bin fast immer mit der Ausarbeitung einer Komposition beschäftigt, heute aber eher mit Werken für Orchester oder für Chor und Orchester.

Möchten Sie mit Ihrer Musik ein klein wenig die Welt verändern?

Kann man das überhaupt?

Am 10. Dezember 1994 ist Ihr Kollege Robert Blum als beinahe 95-jähriger Komponist verstorben. Seine Maxime lautete: «Musik ist dann originell und richtig, wenn sie Inhalt hat und eine Idee verfolgt». Diese Maxime scheint mir ebenso beispielhaft für Ihre Musik, für Ihr Werk. Was meinen Sie dazu?

Das könnte in etwa auch meine Maxime sein.

Was halten Sie von «Klangfarbenkomponisten» wie beispielsweise György Ligeti, einem der bedeutenden Vertreter der Neuen Musik?

Jedem das Seine. Meine Sache ist das nicht.

Ihre erweiterte Tonalität verwendet klar durchhörbare bitonale Schichtungen und Mixturenakkorde. Welches ist Ihre «Lieblingsmixtur» in der Geistlichen Musik?

In meiner «Geistlichen Musik» gibt es keine «Lieblingsmixtur».

In der Profanen Musik?

Dasselbe gilt auch für meine «Profane Musik».

Und als Drink?

Für mich kein Thema.

Wer brach in den Ruf aus: «C’est la place, la plus belle de la Suisse!», und wann war das?

General Guisan im Spätsommer 1953 anlässlich eines Besuches in St. Gallen, als er auf dem Klosterplatz stand und mein «Lied vom Kreuz» verklungen war.

Sie wohnen an der Goethestrasse. Gibt es in St. Gallen auch eine Paul-Huber-Strasse?

Nein. Aber eine Paul-Huber-Gesellschaft, die sich für die Aufführungen meiner Kompositionen einsetzt.

Bach war Musikbeauftrater in Leipzig, Telemann in Hamburg, Sie in St. Gallen. Was sagen oder bedeuten Ihnen die Heiligen St. Otmar, St. Georg, St. Leonard, St. Josefen und St. Gallus?

Diese Ortsbezeichnungen beweisen, dass unsere Vorfahren noch eine enge Beziehung zu Heiligen hatten und diese hoch verehrten.

Und der «Gute Geist» Hedwig an Ihrer Seite?

Mehr als nur der «Gute Geist»: die ideale Gattin und die unentbehrliche Partnerin seit 44 Jahren.

Welche Beziehung haben Sie zur None?

Sie ist für eine besonders ausdrucksstarke Wendung in einer Melodie sehr geeignet, muss aber sparsam verwendet werden.

Ihr Namensvetter Paul Huber aus Basel hat die Musik und den Musikmarkt in der Schweiz untersucht und in Zahlen ausgedrückt. Er schätzt die Anzahl Chöre auf 2500, die Blasmusiken auf 2350 und die Jodelklubs auf 800. Haben Sie für letztere auch komponiert?

Nein.

Wieso nicht?

Ich vertone mit Vorliebe literarische Texte, die sehr sorgfältig ausgewählt werden.

Gedanken von Thomas Trachsel

SBV-Musikkommissionspräsident Thomas Trachsel ist ein grosser Verehrer von Paul Huber und hat sich, ebenfalls aus aktuellem Anlass, Gedanken zu seinen Werken gemacht.

Wie viele Titel zählt Ihr Oeuvre?

Ungefähr 450 - ohne die Jugendwerke, die ich vor meinem Musikstudium als Gymnasiast geschrieben habe.

Welches eigene musikalische Werk lobt den Meister am meisten?

Nach meiner persönlichen Einschätzung ist es das weiträumig angelegte «REQUIEM für Soli, Chor, Orgel und Orchester». Es ist am 12. Juni 1995 in der Berliner Philharmonie vom berühmten Chor der St. Hedwigs-Kathedrale mit erstklassigen Solisten und dem Sinfonie-Orchester St. Gallen unter der Leitung des Schweizer Dirigenten Dr. Alois Koch aufgeführt worden.

Haben Sie persönlich dieser Aufführung beigewohnt?

Erwartungsvoll bin ich nach Berlin gereist und habe mit grosser Freude Eindrückliches miterlebt.

Ihre Frau unterstützt Sie bekanntlich tatkräftig. Ich nehme an, dass Hedwig Sie begleitet und u.a. den berühmten Chor der St. Hedwigs-Kathedrale auch miterlebt hat.

Dem Namen Hedwig bin ich ganz besonders verbunden. Meine stete Begleiterin hat die grandiose Aufführung in Berlin natürlich auch mitverfolgt. Mehr noch: gegen hundert St. Galler, darunter zahlreiche Mitglieder der Paul-Huber-Gesellschaft, sind in die Philharmonie der deutschen Hauptstadt mitgereist.

Wie viele Verlage haben insgesamt Ihre Werke verlegt?

18 schweizerische und 8 ausländische Verlage.

Wurden Sie als Komponist schon derart gefeiert, dass man Sie auf den Schultern durch das Beifall spendende und dankende Publikum trug?

Nur einmal: nach der letzten Aufführung meines Festspiels «Frau Musika» am Eidg. Musikfest 1948 in St. Gallen.

In wie vielen Ländern werden Ihre Werke weltweit konzertant aufgeführt?

In den meisten europäischen Ländern, in Nord- und Südamerika, in Japan und Australien.

Paul Huber-Gesellschaft

Das Werkverzeichnis von Paul Huber umfasst weit über 400 Kompositionen aller Sparten. Rund ein Viertel davon sind geistliche und liturgische Werke. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Originalkompositionen für Blasmusik, daneben Werke für Orchester bis hin zur gross angelegten Sinfonie.

Das Ziel der Paul Huber-Gesellschaft ist es, das Lebenswerk des Komponisten im In- und Ausland zu fördern und für die Nachwelt lebendig zu erhalten. Sie schätzt es, wenn Paul Hubers Kompositionen in Konzertprogramme aufgenommen werden.

Sie gelten als schlichter Meister, voller Bescheidenheit mit demütiger Haltung. Woher schöpfen Sie diese persönliche Kraft?

Aus der Erkenntnis, dass man angesichts der grossen Meister (z. B. Bach, Mozart, Beethoven, Bruckner etc.) nur ein Anfänger ist.

Stichwort «Ruhe»?

Unerlässlich, um schöpferisch arbeiten zu können.

Welche Kritik verletzt Sie am meisten?

Die inkompetente und die unsachliche Kritik!

Sie durften grosse Auszeichnungen gleich im Dutzend erfahren! Welche Ehrung bedeutet Ihnen persönlich am meisten?

Am meisten bedeutet mir das Ehrendoktorat der Universität Fribourg aus dem Jahre 1979. Mein Kommentar dazu: O VANITAS VANITATUM!

Alles Pop-Revolution, oder was? Deren Stars «zelebrieren» heute vor Zehntausenden von Zuhörern ihre «Werke». Haben Sie bei der Aufführung Ihrer eigenen Kompositionen ebenfalls schon eine ähnlich grosse Kulisse erlebt?

An der 150-Jahr-Feier des Kantons St. Gallen, als das «St. Galler Bundesspiel» aufgeführt wurde, dürfte die einzigartige Kulisse im Klosterhof 30 000 Zuschauer umfasst haben ...

Zum Schluss eine wirklich fixe Idee, ein «frommer» Wunsch: Bringen Sie doch bitte exklusiv für MAESTRO und das 1500. Mitglied im 50. Verbandsjahr der Dirigenten des EMV Ihre kleinste Komposition, Ihre musikalische Gratulation in Kürzestform zu Papier!

Ich möchte Sie nicht enttäuschen. So sei's halt: Zu Ihrem «spassigen» Text gehört eine entsprechende Melodie. Hier ist sie in Form eines dreistimmigen Kanons, den ich dem Dirigenten-Verband zum 50-Jahr-Jubiläum widme. «Singe, wem Gesang gegeben!»

Gratulations-Kanon von Paul Huber

Prof. Dr. h. c. Paul Huber, wir danken Ihnen für den Gratulations-Kanon sowie Ihre offenen und spontanen Antworten ganz herzlich und wünschen Ihnen alles Gute.

René Messmer