Armin Bachmann hat anlässlich des Jubiläumskonzerts des Oberaargauer Blasmusikcamps am 4. Oktober 2026 den «Stephan Jaeggi»-Preis erhalten. Unisono sprach mit ihm über seine Emotionen als Preisträger, seine Karriere und seinen neuen Lebensabschnitt als Pensionär.
Ich habe mega gern mit anderen Menschen zu tun. Der Austausch von Mensch zu Mensch in der realen Welt ist für mich das Wichtigste. Die Musik ist eine Austauschmöglichkeit. Als aktiver Musiker, Dirigent oder Pädagoge die Faszination Musik weiterzugeben ist ein unglaubliches Geschenk. Ich bin extrem dankbar, dass mein Umfeld mir dies seit knapp 50 Jahren zu leben ermöglicht hat. Das geht nur, wenn du Menschen um dich hast, die diese Leidenschaft mit dir teilen.
Ich war sprachlos. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich habe mich gefreut, fühlte mich geehrt und habe mich auch gefragt, warum ich diesen Preis bekomme. Ich bin kein Mensch, der Kompositionen oder Bücher hinterlässt. Ja, ich hinterlasse vielleicht Spuren in anderen Menschen aller Generationen und Levels. Dass dies nun eine solche Wertschätzung erfährt, hat mich sehr gefreut.

Sehr viel! Diese Auszeichnung berührt mich und macht mich sehr dankbar. Gleichzeitig gehört dieser Preis auch all jenen, die sich auf meine manchmal vielleicht etwas verrückten Ideen eingelassen, mir ihre Zeit geschenkt und diese Ideen gemeinsam mit mir zum Leben erweckt haben.
Ob Studierende, Musikschülerinnen, Profimusiker, Kollegen oder Musikantinnen in den verschiedensten Formationen und Projekten - die Begegnungen mit ihnen waren für mich immer das Spannendste. Denn Musik bedeutet für mich weit mehr, als einfach den richtigen Ton zur richtigen Zeit zu spielen. Es geht um Menschen, um Vertrauen, Begeisterung, gemeinsames Lernen und darum, miteinander etwas entstehen zu lassen.

Ich finde das OBC eine sensationelle Idee: Dieses Jahr nehmen neunzig Erwachsene eine Woche Ferien (!), um miteinander Musik zu machen. Ich darf dieses Jahr sein Gastdirigent sein, wie schon im letzten, und darf auch im nächsten Jahr noch einmal. Ich dachte, wenn ich so einen Preis bekomme, ist dies genau der richtige Ort für die Übergabe. Eine verrückte Idee wird mit einem tollen Team umgesetzt, die Leute werden motiviert und zusammengebracht und sind Feuer und Flamme für diese Idee! Das ergibt ein Abbild dessen, was ich schon mein Leben lang mache.

Ich habe sie von Simon Rattles «symphonischer Stubete» abgeleitet, die er gemeinsam mit Laien und Profis durchgeführt hat, und sie noch etwas ausgeweitet: Im Zentrum steht das OBC, das dieses Jahr sein 35-jähriges Bestehen feiert. Weiter haben wir das Oberaargauer Jugendmusikcamp (OJC), die Brass Band Posaunenchor Ochlenberg, die Blue Ties Big Band und das Ad-Hoc Streichorchester Oberaargau, und alle machen gemeinsam Musik. Dafür durfte ich das HARMONIVERSUM erfinden. Das Stück, in dem es um verschiedene Planeten mit eigenen Charakteren geht, wurde an den Camp-Konzerten uraufgeführt. Ausserdem haben verschiedene Schulklassen zur Musikwoche passende Kunstwerke entstehen lassen.

Er lebt Musik, und seine musikalischen Haltestationen sind mannigfaltig: Posaunist, Musikschullehrer, Solist, Orchestermitglied, Professor an Hochschulen, Kammermusiker, Dirigent, Musikschulleiter, Projekt-Erfinder, Workshop-Leiter, Querdenker.
Armin Bachmann versteht es wunderbar, Menschen zu motivieren, und für ihn ist die Faszination und Leidenschaft der Musik gemeinsam zu entdecken und erleben eine Kernaufgabe. Er ist Preisträger des «Kulturpreises Musik des Kantons Solothurn 2012» und des «Stephan-Jaeggi-Preises 2026».
Ich glaube, das alles basiert auf der Vertrautheit, der Neugier und dem Lebensmut meiner Geschwister und meiner Mutter. Ich habe zehn Geschwister und bin mit Abstand der Jüngste. Mein Vater starb sehr früh. Ich habe ein Urvertrauen und eine Urneugier mit auf den Lebensweg bekommen. Dies führte dazu, dass ich durch jede Türe ging, wenn sie sich geöffnet hat. So habe ich immer angenommen, was auf mich zukam.
Ich hatte nie einen Grund, etwas nicht mehr zu tun, was mit Musik zu tun hatte, nur weil ich nun Professor an einer Hochschule in Deutschland war. Aussagen wie «Du kannst doch jetzt nicht mehr Blasmusik spielen, du bist doch jetzt Professor» hörte ich oft. Für mich kam das nie in Frage, weil mich immer alles interessierte, was mit Musik zu tun hat. Mein Herz und meine Seele wollten die Musik immer entdecken und erleben.
Ich wüsste kein spezifisches. Das Leben ist eine Wanderung, die immer weitergeht, man ist nie ausgelernt und gibt nie auf. Dauernd kommen neue positive Eindrücke, die mit Menschen zu tun haben. Die Menschen sagen oft «du gibst mir so viel Energie», aber das stimmt nicht, sie geben mir die Energie! Ich habe von all diesen Menschen so viel profitiert! Und ich war bereit, es aufzunehmen. So ein Weg ist ein Geschenk. Mir war es immer wichtig, Stärken zu stärken, statt an den Schwächen zu arbeiten. Du kommst viel weiter, wenn du dich in dem weiterentwickelst, was du kannst, als wenn du dauernd hörst, was du nicht kannst.

Ich bin auch heute noch Blasmusikant und war es ein Leben lang. Ich komme aus der Blasmusik und finde darin nichts Negatives: Das Blasmusizieren bringt Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten zusammen, die miteinander etwas entstehen lassen, gemeinsam eine Herzensangelegenheit verwirklichen. Das finde ich sensationell. Aktives Blasmusizieren ist unglaublich wertvoll für die Gesellschaft, es ist eine Lebensschule.
Es war ein Schock. Mein erster Gedanke galt meinem bald auf die Welt kommenden Grosskind, nicht meinem Beruf. Meine einzige Sorge war, dieses Mädchen nie in meine Arme nehmen zu können, weil ich davon ausging, dass meine linke Hand fehlt … Aber ich sehe es trotzdem als positives Schicksal: «Arminator» hat dabei viele tolle Menschen kennengelernt, die mit grosser Leidenschaft bei der Sache sind.

Ja, es geht wirklich ohne. Ich habe zusammengezählt vielleicht zwei Stunden mit den Grosskindern, drei- und fünfjährig, gespielt. Die älteste dirigiert, und ich bin ihre Begleitband. Die Kleinere macht Ballett, auch da braucht sie ein Orchester [schmunzelt]. Dafür nehme ich die Posaune gerne noch hervor. Und zu dritt spielen wir Alphorn. Ansonsten fehlt mir das Posaunenspiel nicht. Ich schätze es wahnsinnig, dass ich so lange Zeit spielen konnte und freue mich um so mehr, nochmals einen neuen Lebensabschnitt mit einem anderen Klang geniessen zu dürfen.
Eine unglaublich wichtige. Wir sind etwas über vierzig Jahre zusammen, 36 davon verheiratet. Ein Zuhause zu haben mit einem Menschen, den du von Herzen liebst, und das, was du gerne machst, mit diesem Menschen teilen zu können, finde ich essenziell. Später konnte ich das auch mit unseren beiden Buben und nun mit den Enkelkindern teilen. Ich war in meinem Musikerleben all die Jahre viel unterwegs. Ohne das Verständnis und die Unterstützung meiner Frau Irma wäre das ganz anders herausgekommen. Deshalb war es uns auch wichtig, dass wir den Schritt in die Pension gemeinsam machen, um den neuen Lebensabschnitt zusammen zu gestalten.
Gegenüber früher «gruusig verreckt entspannt» [lacht laut]! Ich musste nicht lernen, mit freier Zeit umzugehen, ich habe sie von Anfang an genossen. Ich lese gerne, werkle daheim, und wir stecken viel Zeit in unsere Enkelkinder. Wenn sie uns brauchen, sind wir da. Wir sehen es als grosses Plus, den Tag frei gestalten zu können - zu tun, worauf wir gerade Lust haben.

Ich finde die Blasmusikszene nach wie vor sehr lebendig. Die Vereine sind kreativ und stellenweise auch innovativ. Ich wünschte mir, dass der Fokus neben dem eigenen Musizieren noch etwas mehr auf dem Musizieren anderer liegt - dass man auch ein Konzert des Nachbarvereins besucht und ihm Wertschätzung und Respekt entgegenbringt. Das ist eine Art Horizonterweiterung und sorgt für Ideenreichtum im eigenen Verein wie beim eigenen Musizieren. Ein zweiter Fokus ist, dass man sich um die Jungen kümmern muss, solange es einen Verein gibt. Der Nachwuchs kommt nicht von selbst, er kommt nur, wenn man immer sät und sät und sät.
Für mich gibt es keine Trennung zwischen dem professionellen und dem Amateur-Blasmusizieren. Das muss durchlässig sein, denn es ist ein Teamsport und es braucht alle. Auch hat jede Art von Musik Platz, wenn man sich gegenseitig respektiert. Jede und jeder hat eine Rolle, so wird der Verein gemeinsam getragen.
Mein Wunsch an jeden Musikanten, an jede Musikantin ist, dass sie immer daran denken, dass das Musizieren durch die eigene Freude getragen wird.
