Die Brass Band Treize Etoiles und das Blasorchester Stadtmusik Luzern haben mit grossem Erfolg in der Concert Division (Höchstklasse) am World Music Contest (WMC) in Kerkrade teilgenommen. Die unisono-Redaktion hat den beiden Vereinspräsidenten drei Fragen gestellt.
Für die Stadtmusik Luzern resultierte am WMC ein dritter Rang in der Kategorie Windband. Treize Etoiles kehrte gar mit dem Brassband-Weltmeistertitel nachhause. Herzliche Gratulation zu diesen grossartigen Leistungen!

François Fournier: Jeder internationale Sieg, ob auf europäischer oder globaler Ebene, ist für unsere Musikerinnen und Musiker ein echter Meilenstein. Nach zwei Europameistertiteln (2023 und 2024) und einem Titel als British-Open-Meisterin (2024) fehlte der aktuellen Besetzung nur noch dieser Weltmeistertitel. Wir sind sehr stolz auf diesen Sieg, und darauf, dass wir dem Palmarès unserer Band nach dem Titel unserer Vorgänger im Jahr 2005 diesen zweiten WM-Titel hinzufügen konnten.
Dieser Erfolg sorgt für mehr Bekanntheit und weckt das Interesse an der Band über die Schweiz und Europa hinaus. Er wird uns sicher neue Engagements und internationale Auftritte an Konzerten einbringen.

Alain Kamm: Dieser grosse Erfolg zeigt uns in erster Linie, dass wir als Orchester in unserer Entwicklung auf dem richtigen Weg sind, und dass sich der hohe Einsatz, den wir nicht nur für Wettbewerbe betreiben, mittelfristig auszahlt. Uns war es wichtig, die Schweizer Blasorchestermusik in Kerkrade würdig zu vertreten und das tolle Niveau in der Schweiz illustrieren zu dürfen. Dies war am vergangenen «Eidgenössischen» (EMF26) eindrücklich zu erleben.
Wir sind sehr stolz, dass uns dies in Kerkrade gelungen ist - der Podestplatz ist sozusagen die Kirsche auf der Torte. Eine Kirsche, die uns motiviert, auf diesem Weg weiterzugehen und weiter an uns zu arbeiten: Für den Spass an der Musik, für die öffentliche Wahrnehmung sinfonischer Blasorchester und nicht zuletzt dafür, unserem Publikum bleibende Konzerterlebnisse zu bieten. In der Tat bekamen wir sogar zwei Kirschen: Mit dem Gewinn des Solistenpreises durch unsere Solistin Eva-Maria Wobmann-Boppart durften wir noch einen weiteren Erfolg feiern. Das motiviert doppelt!

François Fournier: Die Vorbereitung auf einen Wettbewerb nehmen unsere Mitglieder immer sehr ernst, egal wann er stattfindet. Wir sind eine eingeschworene Truppe, die sich zu Beginn jeder Wettbewerbsphase darauf freut, wieder zusammenzukommen. Das ist sicher einer der Schlüssel zum Erfolg - mit dem einzigen Ziel, den Sieg zu erringen, wofür sich alle voll engagieren.
Um die Motivation trotz der vielen Aktivitäten in den Agenden unserer Musizierenden aufrechtzuerhalten, legen wir zwischen den wichtigsten Terminen Pausen ohne Proben oder öffentliche Auftritte ein. Die Probenblöcke sind zwar intensiv, aber relativ kurz. Die WM-Vorbereitung dauerte bspw. sechs Wochen.

Alain Kamm: Zum Glück mussten wir nicht viel tun, um die Motivation hochzuhalten: unser Orchester besteht aus sehr vielen intrinsisch motivierten Musizierenden. Auch war uns von Anfang an bewusst, dass eine Teilnahme am WMC die Saison deutlich verlängert und auch die Sommerferien vieler Mitglieder betrifft. Deshalb haben wir das Orchester früh in die Entscheidung einbezogen. Die Meinung war eindeutig: Alle wollten an den WMC.
Wir haben vor den zwei intensiven Wochen mit Proben und Probenweekend Ende Juni bewusst eine längere Pause geplant. Die kurze, sehr fokussierte Probenarbeit und die hervorragende Vorbereitung der Musizierenden haben für uns am Ende sehr gut funktioniert.

François Fournier: Ich sehe zwei wesentliche Unterschiede: Erstens findet der SBBW jedes Jahr statt und steht allen Brass Bands des Landes zur Anmeldung offen. Wir sind uns daher sicher, dass wir daran teilnehmen können, um uns für die Europameisterschaft zu qualifizieren. Der WMC ist dagegen ein Wettbewerb «auf Einladung», der alle vier Jahre stattfindet.
Zweitens führen wir am SBBW ein Pflicht- und ein Selbstwahlstück auf, beide vor einer verdeckten Jury. Beim WMC wird ein Pflichtstück vor einer verdeckten Jury aufgeführt. Am nächsten Tag wird ein 40-minütiges freies Programm vor «offener» Jury präsentiert. Dieses Format ist im Brassband-Bereich neu und ermöglicht uns, einen unserer Solisten in den Vordergrund zu stellen.
Alain Kamm: Internationale Wettbewerbe sind stets mit etwas mehr Unsicherheit behaftet - wie stark ist die Konkurrenz, welche Messlatte setzt die Jury an, klappt alles mit Reise und Transport? Gerade diese Unsicherheit kann helfen, etwas gelassener mit dem Wettbewerbsdruck umzugehen. Schliesslich sind die Erwartungen in der Szene ebenfalls mit Unsicherheit behaftet. In der kleinen Schweiz ist die Szene transparenter, doch steigen dadurch auch die Erwartungen und damit der Wettbewerbsdruck.
Unter dem Strich geht es uns aber darum, auf hohem Niveau zu musizieren und unser Publikum zu begeistern - an Wettbewerben wie an unseren Konzerten. Womöglich hat uns dies auch geholfen, relativ gelassen mit dem Druck umzugehen und auf der Bühne mit ganz viel Freude an der Musik spielen zu können.

Der WMC, das internationale Festival für die Blasmusik, hat in diesem Jahr vom 9. Juli bis 2. August sein 75-jähriges Jubiläum gefeiert. Einmal mehr wurde dabei deutlich, dass Musik verbindet und zusammenbringt.
Die einzigartige Atmosphäre in der Stadt, das internationale Teilnehmerfeld mit Bands und Orchestern aus 31 Ländern und rund 20'000 Musizierenden, das Festival mit seinen traditionellen Konzert-, Marsch- und Showwettbewerben und mehr als 450 Aktivitäten, das hohe musikalische Niveau, die professionelle Organisation, die Besucherzahlen - weit über 300'000 Menschen - und die überwältigende Medienresonanz haben zu einer äusserst gelungenen Jubiläumsausgabe beigetragen, so die WMC-Organisation.
Alle Schweizer Bands und Orchester haben in Kerkrade solide bis sehr gute Leistungen abgeliefert. Bei den Windbands ebenfalls in der Concert Division am Start war das Symphonische Blasorchester Kreuzlingen (9. Rang). In der First Division spielten das Blasorchester Neuenkirch (8. Rang) und das VBJ Youth Wind Orchestra (11. Rang). Letzteres wurde zudem mit dem Preis für das beste Klarinettensolo im Pflichtstück ausgezeichnet.
Am Wettbewerb der Windband Jugendkategorie machte das Jugendblasorchester Oberer Sempachersee (12. Rang) mit. Bei den Brass Bands gab es ein weiteres Schweizer Podest: Das Ensemble de Cuivres Ambitus feierte den 3. Rang in der First Division. In der 3. Klasse erreichte die Brass Band Schüpfen BE den guten 5. Rang.