Die Mitgliederratskonferenz des Schweizer Blasmusikverbands (SBV) vom 26. September 2026 in Sursee stand im Zeichen von Workshops zum Thema «Nach dem EMF26 ist vor dem Eidg. Musikfest 2031 im Rheintal». Zudem informierte die Verbandsleitung über die personellen Veränderungen, die 2027 anstehen.
Nach Begrüssung durch die Präsidentin Luana Menoud-Baldi informierte Verbandsleitungsmitglied Roman Limacher über die an der Delegiertenversammlung 2027 anstehenden Mutationen in der Verbandsleitung.
Peter Börlin und Hans Seeberger scheiden aufgrund der statutarischen Amtszeitbeschränkung aus. Michel Graf und Hanspeter Frischknecht haben ihre Demission eingereicht. Die Delegierten erhielten die Rücktrittsschreiben vorgängig.
Die Verbandsleitung (VL) hat sich in den vergangenen Monaten intensiv mit der künftigen Ausrichtung des SBV und ihrer Zusammensetzung befasst. Eine zweitägige Klausur mit externer Begleitung bildete einen wichtigen Teil dieses Prozesses. Sie beschloss insbesondere, sich künftig auf strategische Führungsaufgaben zu konzentrieren und das operative Tagesgeschäft der Geschäftsstelle zu überlassen. Diese wurde personell und fachlich verstärkt und soll bedarfsgerecht weiterentwickelt werden.

Unterschiedliche Vorstellungen und zwischenmenschliche Spannungen, insbesondere bei der Führung und Organisation, haben die VL in den vergangenen Jahren daran gehindert, geschlossen aufzutreten. Die DV 2027 bietet die Chance für einen Neuanfang.
Deshalb sind die zur Wiederwahl antretenden Mitglieder Thomas Trachsel, Simon Betschmann, Fabrice Reuse und Roman Limacher sowie die demissionierenden und regulär ausscheidenden Mitglieder Michel Graf, Hanspeter Frischknecht und Peter Börlin gemeinsam zum Schluss gekommen, dass die anstehenden organisatorischen und personellen Veränderungen einen Wechsel an der Spitze erfordern.
Die neue Verbandsleitung soll die gemeinsam mit der Geschäftsstelle erarbeitete strategische Ausrichtung geschlossen tragen und umsetzen. Deshalb schlägt die Mehrheit der VL vor, das heutige Mitglied Fabrice Reuse an der DV 2027 zum neuen Präsidenten des SBV zu wählen. Daraufhin erklärte Luana Menoud-Baldi, auch sie werde erneut für das Präsidium kandidieren.




Die Delegierten beschlossen, eine zusätzliche Mitgliederratskonferenz einzuberufen, um die neue Ausgangslage vertieft zu diskutieren und Kandidatinnen und Kandidaten für die VL vorzuschlagen.
Die Musikkommission (Muko) prüft nach dem EMF2026 mögliche Änderungen für das EMF 2031. Als erste Themen wählte sie die «Wettstückliste» und die «Einteilung der Klassen». Die Teilnehmenden diskutierten in zwei Gruppen. Sandro Blank und Emilie Chabrol leiteten den Workshop zur Wettstückliste, Thomas Trachsel und Florian Lab jenen zur Klasseneinteilung.

Die Teilnehmenden sprachen sich trotz des Vorschlags, die Wettstückliste abzuschaffen, für deren Erhalt aus. Viele wünschen eine Ergänzung oder zumindest eine Empfehlungsliste der Muko. Besonders Vereine der 2. bis 4. Stärkeklasse benötigen Orientierung im «Blasmusikliteratur-Dschungel».

Die konsultative Abstimmung bestätigte: Eine ersatzlose Abschaffung kommt nicht infrage. Denkbar sind eine Guideline, eine Empfehlungsliste oder die Ergänzung der bestehenden Liste durch die Muko. Auch einen zusätzlichen Bewertungsparameter bei einem Wegfall, etwa die Stückwahl im Verhältnis zur Leistungsfähigkeit, begrüssten die Teilnehmenden.
Am EMF26 war die 4. Klasse wenig gefragt, möglicherweise wegen ihres Images. Gleichzeitig bekunden manche Vereine bereits in der 3. Klasse Mühe. Auch die 1. Klasse Harmonie ist heterogen: Hier treten grosse Vereine mit Spezialinstrumenten und 80 Musizierenden als auch Dorfvereine mit 45 Mitgliedern an. Die Teilnehmenden diskutierten deshalb eine zusätzliche Elite-Klasse nach dem Vorbild des Schweizerischen Brass Band Wettbewerbs. Grosse Teilnehmerfelder erschweren zudem eine seriöse Bewertung, selbst bei einer Durchführung über zwei Tage.

Die Mehrheit befürwortete Änderungen, hielt sie aber nicht für zwingend. Neue Klassen könnten Probleme wie unvollständige Besetzungen oder Mitgliederschwund nicht lösen, betonten einzelne Teilnehmende.

Muko-Präsident Thomas Trachsel dankte für die engagierten Diskussionen. Besonders wertvoll empfand er, dass nebst dem Fachgremium auch die Verbandspräsidien mitdiskutiert hatten. Die Muko werde die Ergebnisse in ihre weiteren Beratungen aufnehmen und weiterentwickeln.
Hanspeter Frischknecht kündigte an, das Jury- und Festreglement klarer zwischen Wettbewerb und Organisation zu trennen. Die VL wird die überarbeiteten Reglemente der DV zur Genehmigung vorlegen. Zudem plant sie einen neuen Vorschlag für Juryhonorare. Aushilfen sollen künftig separat erfasst werden, damit die Mitgliederbeiträge in EMF-Jahren weniger stark schwanken.

Fabrice Reuse erklärte, dass noch offen sei, ob die Kontrolle der Vereinsbesetzungen an den EMF weitergeführt wird. Der Aufwand sei gross; kurzfristige, unverschuldete Änderungen belasteten Vereine und Kontrolleure.

Die Festsoftware mit App für Administration, Anmeldung, Einteilung, Jurierung etc. wird weiterentwickelt. Die VL hat dafür folgende Beiträge festgelegt: einen Franken pro Festkarte bei regionalen Musiktagen und zwei Franken bei kantonalen Musikfesten. Ab Oktober 2026 steht sie den Kantonalverbänden, ihren Unterverbänden und Partnerverbänden zur Verfügung. Letztere tragen die Weiterentwicklungskosten selbst.

Die Software ermöglicht die parallele Bearbeitung mehrerer Feste. Die Archivfunktion kostet weitere 100’000 Franken. Zudem können Verbände Festinventar wie 3000 Notenständer und ein Rednerpult mieten.

Luana Menoud-Baldi informierte, dass die drei Millionen Franken Fördermittel für Jugend+Musik (J+M) 2025 ausgeschöpft wurden und dies auch 2026 erwartet wird. Wegen der steigenden Nachfrage reichte Nationalrat Martin Candinas eine Motion ein. Sie beauftragt den Bundesrat, die Mittel für J+M ab 2027 zu erhöhen, um das Programm langfristig zu sichern.

Das 2016 lancierte Programm J+M fördert die musikalische Bildung von Kindern und Jugendlichen. Es unterstützt Musikkurse und -lager und ermöglicht jungen Menschen den Zugang zum aktiven Musizieren.
Die Kompetenzzentren «Innerschweiz» und «Nordostschweiz» tauschten erste Erfahrungen aus und bildeten eine Arbeitsgruppe, die weitere Schritte begleitet und neue Zentren unterstützt.
Jedes Kompetenzzentrum erhält künftig eine Ansprechperson aus der VL und eine aus der Muko. Beim «Centre Latin» übernehmen Fabrice Reuse (VL) und Stéphane Delley (MK) diese Aufgabe, beim Zentrum «Ostschweiz» Roman Limacher (VL) und Stefan Roth (MK). Weitere Zentren sind im Aufbau. Bis Ende Jahr sollen Aufgabenbereiche sowie Kurs- und Prüfungsinhalte verbindlich dokumentiert sein.
Die Zusammenarbeit mit Emil Wallimann und seinem Team von musikwissen.ch bewährt sich bei mehreren Kantonalverbänden. Sie setzen das E-Learning-Tool in der Dirigierausbildung ein. Besonders junge Kursteilnehmende schätzen das Angebot.
Bisher arbeitete Wallimann bilateral mit den Kantonalverbänden zusammen. Neu entwickelt musikwissen.ch eine auf die Bedürfnisse des SBV abgestimmte Version, die künftig allen Kompetenzzentren zur Verfügung steht.