Vier Tage voller Musik in Biel: Am Sonntagabend nach Auffahrt ist das 35. Eidgenössische Musikfest 2026 (EMF) zu Ende gegangen. Die offenen Bühnen in Biel haben dazu beigetragen, dass das Fest nicht nur die über 24'000 Blasmusikanten und -musikantinnen begeistert hat, sondern auch die Massen.

Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider eröffnete am Mittwochabend, 13. Mai das 35. Eidgenössische Musikfest 2026 (EMF26).



Von einer Tambourengruppe über Rap bis hin zum Jugendensemble zeigten gleich zu Beginn der Feier verschiedene Formationen, wie unterschiedlich und variantenreich die Blasmusik daherkommt.

«Mut und Vertrauen braucht es, um ein solches Fest auf die Beine zu stellen», sagte OK-Präsidentin Nadja Günthör in ihrer Eröffnungsrede.

Man feiere auch eine Kraft, sagte Luana Menoud-Baldi, Präsidentin des Schweizer Blasmusikverbands. Das Eidgenössische sei zudem eine Investition in die Jugend, welche die Tradition der Blasmusik aufrechterhalten soll. So gestaltete denn auch das Jugendensemble Jubis der Stadtmusik Biel den musikalischen Rahmen der Eröffnungsfeier auf der Mainstage der Esplanade.

Nach zehn Jahren übergab das OK des EMF 2016 in Montreux die Fahne des SBV an Nadja Günthör als Vertreterin des EMF26 in Biel. Dieser feierliche Moment lockte kurzerhand die Sonne am ansonsten wolkenbehangenen Himmel hervor. Nicht weniger feierlich waren die Grussworte der weiteren Gastredner aus der Politik und von der Stadt Biel.

Nach dem offiziellen Festakt wurden die Ehrengäste im Nebia vom Symphonischen Blasorchester Schweizer Armeespiel zu einem rund einstündigen Konzert unter der Leitung des Chefdirigenten Gaudens Bieri empfangen.
Wer Musik machen will, braucht ein Instrument. Verschiedene Anbieter von Instrumenten, Zubehör und Ausbildung nutzten die Gelegenheit, sich am grössten Blasmusikfest der Welt einem breiten Publikum zu präsentieren. Die Ausstellung war ideal gelegen: Sie war Eintrittspforte zu den Fotoboxen, wo die Musikvereine ihr offizielles Festfoto ablichten lassen konnten.

Zu den Ausstellern gehört auch der Bund Deutscher Blasmusikverbände (BDB) in Staufen. Ihr geschäftsführender Präsident Christoph Karle zeigt sich beeindruckt vom EMF 2026. «Es ist grossartig und einzigartig, dass sich hier in Biel die ganze Breite der Blasmusik-Gemeinschaft trifft», sagt der studierte Orchestermusiker. Hobbymusizierende sollten sich ihres Wertes bewusst sein: «Wer sich in einem Musikverein engagiert, der handelt gegen die Vereinsamung, sorgt für das so bedeutsame Zusammengehörigkeitsgefühl, das unsere Gesellschaft am Ende stark macht.»

Der Auffahrtsabend gehörte der Jugend, die mit der Youth Night erstmals in der Geschichte der Eidgenössischen Musikfeste eine eigene Plattform erhalten hat.
Auch am zweiten Tag des Eidgenössischen Musikfests in Biel hatten die Musikantinnen und Musikanten sowie die Zuschauenden grossmehrheitlich Glück: Trotz einiger Regentropfen ist es meistens trocken geblieben, sodass die Parademusik wie geplant stattfinden konnte.

Nadja Günthör, die Präsidentin des EMF-Organisationskomitees zeigt sich sehr zufrieden über den bisherigen Festverlauf: «Es gab keine nennenswerten Probleme oder Unfälle.» Das ganze Team sei höchst bemüht, kleine Schwierigkeiten sofort zu beheben. Abzufedern galt es beispielsweise eine kleine Grippewelle bei den Helferinnen und Helfern des EMF. «Dank zusätzlichen Einsätzen durch das OK-Team, den Zivilschutz und die Securitas konnten wir diese Ausfälle kompensieren», sagt sie.

Nadja Günthör ist jeweils den ganzen Tag auf dem Festgelände und auch an der abendlichen Rangverkündigung ist sie dabei. «Die Stimmung auf dem Fest ist einfach genial», sagt sie.


Der Komponist und Dirigent Thomas Trachsel ist Präsident der Musikkommission des Schweizer Blasmusikverbands (SBV) und in dieser Funktion für die Musik am EMF verantwortlich. Seine Bilanz des zweiten Festtages: «Auch wenn vielleicht nicht immer ganz alles nach Plan läuft: Die Stimmung ist schön, extrem friedlich, alle sind glücklich, und die Lokalitäten sind allesamt gut besucht. Das freut mich sehr und lässt doch hoffen für die Zukunft!»


Dank der vielfältigen Blasmusik-Konzerte hat sich der gedeckte Hauptfestplatz auf der Esplanade wie schon am Vortag ab dem Nachmittag in eine Festmeile verwandelt, wo die Musikantinnen und
Musikanten ihren Wettbewerbstag haben ausklingen lassen.



Sie sind zwei der wichtigsten Köpfe, die dafür gesorgt haben, dass das EMF in Biel so kurzfristig organisiert werden konnte: Michel Graf und Hanspeter Frischknecht. Am dritten Festtag nehmen sie sich kurz Zeit für ein Gespräch. Doch ihre Telefone blinken quasi pausenlos. Beide bezeichnen sich als Troubleshooter und erste Anlaufstelle für quasi jedes Problem.

Monika Schütz ist studierte Klarinettenlehrerin mit Konzertdiplom und Blasmusikdirektorin. Sie ist am EMF als Jurorin im Einsatz und findet es grossartig, dass nach zehn Jahren wieder ein EMF stattfindet: «All diese potenten und spielfreudigen Vereine zu sehen macht mich richtig emotional».
Die Schlussfeier stand noch einmal ganz im Zeichen der Musik und es gab zahlreiche musikalische Überraschungen. Neben diversen Gruppen und Bands aus verschiedenen Sparten hatte auch der Treichlerclub Seeland einen Auftritt.

Als Überraschungs-Musiker traten der Seeländer Sänger George mit einem besonderen Arrangement seiner «Seeland-Hymne» auf - ‹Hie bini deheim› - und der Rapper Louis Weber mit dem eigens geschriebenen Rapsong «Musigg!»

Auch die beiden weiblichen Aushängeschilder des EMF, die OK-Präsidentin Nadja Günthör und die SBV-Präsidentin Luana Menoud-Baldi, verabschiedeten sich und bedankten sich beim zahlreichen Publikum. Wie alle Involvierten haben die beiden intensive Tage und Nächte hinter sich.

Nadja Günthör zeigt sich erfreut über die hohe Besucherzahl: Insgesamt seien an den vier Festtagen über hunderttausend Personen nach Biel ans EMF gereist. Die grosse Nachfrage nach der gebotenen Blasmusik zeigte sich am Samstag besonders eindrücklich, als das Publikum teils über zwei Stunden lang angestanden ist, um im Kongresshaus den Musikwettbewerb verfolgen zu können.
Das Wetter zeigte sich den Organisatoren nicht gerade gewogen: Die Eisheiligen hatten mit aller Härte zugeschlagen. Und doch mag sich Nadja Günthör nicht beklagen, denn geregnet hat es in Biel insgesamt viel weniger, als im Vorfeld befürchtet werden musste.

Nach dem EMF ist vor dem EMF: An der Schlussfeier überreichte das Bieler OK einen symbolischen Stafettenstab an eine Equipe aus dem St. Galler Rheintal: Dort ist 2031 das nächste EMF geplant.
