Sie führten ihre Bands - die Ancienne Cécilia Chermignon und das Symphonische Blasorchester Feldmusik Sarnen - zum Titel in der Kategorie «Höchstklasse». Die unisono-Redaktion hat Arsène Duc und Sandro Blank dazu befragt.
Arsène Duc: Wir sind das Eidgenössische wie einen anderen Wettbewerb angegangen. Das heisst, wir haben die Stücke für den Saalwettbewerb von Grund auf im Rahmen von Registerproben erarbeitet und auch die Vorbereitung der Parademusik sorgfältig in Angriff genommen.

Sandro Blank: Es geht immer darum, in minuziöser Annäherungsarbeit den Kern der Musik zu begreifen und die Partitur mit Hilfe der zur Verfügung stehenden Proben «zum Leben zu erwecken». Vor den Proben arbeite ich lange für mich allein. Ich liebe diesen gestalterischen Moment. In meinem Kopf türmen sich die Ideen, die ich mit dem Ensemble umsetzen möchte. Nebst der Erarbeitung des Notentexts vor der ersten Probe braucht es auch immer klare methodische Konzepte, die gut durchdacht, aber nicht in Stein gemeisselt sind. Gerade bei der Vorbereitung eines Aufgabenstücks sollte man sich bewusst machen, dass ALLE dieses Werk spielen. Wo mache ich vielleicht einen Unterschied zum Positiven? Manchmal gelingt’s, manchmal nicht.
Das Orchester agierte in jeder Phase unserer EMF-Saison höchst engagiert, professionell, unheimlich wissbegierig, fleissig und immer solidarisch. Jegliche Proben wurden in hohem Masse gewissenhaft vorbereitet, und ich hatte das Privileg, mich um die Musik zu kümmern. Individuelle Probleme wurden zuhause gelöst. Das EMF hat dem Symphonischen Blasorchester Feldmusik Sarnen geholfen, sich als Verein auf sehr hohem Niveau noch einmal zu steigern. Dafür verdient es meinen allergrössten Respekt.

Arsène Duc: Es hat uns grossen Spass gemacht, das Pflichtstück «Short Stories» von Oliver Waespi einzustudieren, ein sehr gut geschriebenes, äusserst interessantes, facettenreiches und farbenfrohes Werk. Die Umsetzung war anspruchsvoll, doch haben alle Musikerinnen und Musiker der Band diese Herausforderung gerne angenommen.

Sandro Blank: Ich empfinde das Werk meines geschätzten Kollegen Maestro Franco Cesarini als grosse Bereicherung des Repertoires. Es ist von klaren Abläufen und klassischen Strukturen geprägt. Ich mag das sehr! Allerdings liegt dort auch die Schwierigkeit. Die Musik spricht für sich selbst und ist in keinem Moment reisserisch oder aufgeblasen. Daher ist es schwierig, Schwächen zu verbergen. Dass diese Musik wie aus einem Guss klingt, bedingt eine klare Umsetzung. Nichts wird «verziehen». Die Musik klingt am wertvollsten, wenn alles ganz mühelos und natürlich daherkommt. Dies war in meinen Augen die grösste Schwierigkeit. Die strikten und durchwegs sehr durchsichtigen rhythmischen Passagen fordern einiges von einem 85-köpfigen Orchester, damit es diese Leichtigkeit ausstrahlen kann. Die melancholischen Teile luden mich als Interpret dazu ein, mutig zu sein und an die Grenzen des Möglichen zu gehen. Es war quasi Kammermusik mit fast 100 Musizierenden.
Arsène Duc: Die grösste Schwierigkeit lag in der Organisation, da die Valaisia Brass Band, die ich ebenfalls leite, die Ehre hatte, die Schweiz am Europäischen Brass Band Wettbewerb in Linz zu vertreten - und das nur zweieinhalb Wochen vor dem Eidgenössischen Musikfest in Biel! Dieser enge Zeitplan erforderte eine sehr straffe Planung und einen bemerkenswerten zusätzlichen Effort aller Musikerinnen und Musiker für das Eidgenössische.
Sandro Blank: Das Pflichtstück war, wie ich oben bereits erwähnt habe, herausfordernd.
Arsène Duc: Dass die Vorbereitungsarbeit hervorragend gewesen ist, dass wir zuversichtlich sein dürfen und vor allem Spass auf der Bühne haben wollen.

Sandro Blank: Tatsächlich waren meine letzten Worte vor dem Wettspiel sehr bewusst gewählt. Sie sind aber nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Es war ein wundervoll emotionaler Moment für mich und (so glaube ich zumindest) auch für mein grandioses Orchester.

Arsène Duc: Nach mehreren zweiten Plätzen ist dies bereits das dritte Eidgenössische in Folge, das die Ancienne Cécilia in der Höchstklasse-Kategorie Brass Band gewinnt, nach 2011 in St. Gallen und Montreux 2016. Es erfüllt uns daher mit grossem Stolz, diesen «Hattrick» über einen Zeitraum von fünfzehn Jahren geschafft zu haben! Für die Zukunft werden wir versuchen, dieses musikalische Niveau zu halten, indem wir unseren Schwerpunkt weiterhin auf die Jugendausbildung legen.

Sandro Blank: Nach dem Abflachen der Euphorie, die ich enorm genossen habe, ist es für mich wichtig, die Dinge wieder etwas nüchterner zu betrachten. Sicher hat eine seit 50 Jahren höchst erfolgreich agierende Feldmusik Sarnen es geschafft (erste Teilnahme in der Höchstklasse am EMF 1976 in Biel!), einen Erfolg zu kreieren, der lange nachwirken wird. Seit nunmehr neun Jahren in Sarnen bin ich überwältigt von den gewachsenen Strukturen, dem Miteinander, der Ernsthaftigkeit gegenüber der Musik und dem fortschrittlichen Umgang mit der Tradition. Ganz nach Gustav Mahlers Kredo: «Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Bewahrung des Feuers», versuchen wir weiterhin Massstäbe zu setzen, die Blasmusik zu beleben und ein konspiratives Miteinander zu pflegen, das meine Musiker/-innen zu schätzen wissen.
Mir persönlich gibt der Erfolg in Biel eine gewisse Sicherheit in meinem Tun. Ich freue mich sehr auf die anstehenden Projekte, Konzerte, Wettbewerbe etc. Ich bin sehr glücklich und dankbar, in Sarnen einen Ort gefunden zu haben, an dem ich die maximale Entfaltungsmöglichkeit erfahren darf.