Die anfangs Jahr auf Wunsch der Musikkommission des Schweizer Blasmusikverbands (SBV) ins Leben gerufene Serie wird fortgesetzt. Diesmal hat sich Martial Rosselet für ein Interview zur Verfügung gestellt, der stellvertretende Direktor des Konservatoriums Neuenburg (Conservatoire de musique neuchâtelois CMNE), an dem er auch Posaune unterrichtet.
Seit über 30 Jahren bieten die ACMN und das CMNE jungen Musikvereinsmitgliedern im Kanton einen vierjährigen Musikkurs an. Die politischen Entscheidungsträger hatten die Relevanz dieses Vorgehens damals anerkannt. Die Ausbildung umfasst wöchentlichen Einzelunterricht am Instrument und Gruppenunterricht in Musiktheorie, erteilt von Lehrkräften des CMNE mit einem Master-Abschluss in Pädagogik.

Die Partnerschaft bietet mit Unterstützung des Kantons Neuenburg hochwertigen Unterricht zu Vorzugspreisen. Derzeit besuchen 113 Jugendliche diesen Grundkurs für Blas- und Schlaginstrumente; insgesamt bildet das CMNE 385 Schüler in diesen Fächern aus, von denen mehr als 90 % einem Musikverein des Kantons angehören.
Im Schuljahr 2025/2026 haben die ACMN und das CMNE einen ersten einjährigen Kurs zur Leitung von Instrumentalensembles ins Leben gerufen. Im ersten Semester standen die theoretischen und musikalischen Grundlagen im Zentrum (Gesang, Rhythmus, Notenlesen in verschiedenen Schlüsseln, Transposition, Harmonielehre und Gehörschulung). Das zweite Semester konzentrierte sich auf die Praxis unter der Leitung von Olivier Neuhaus und Pascal Rausis.
Diese erste Ausgabe war mit zwölf Anmeldungen, darunter zwei aus dem Kanton Freiburg, ein grosser Erfolg. Nach einer Prüfung in Praxis und Theorie können die Schüler am Programm «Jugend+Musik» teilnehmen. Die Ausbildung wird 2026/2027 mit sechs Teilnehmern fortgesetzt.
Ob in der Stadt oder in Vororten: Musikvereine wie Fanfaren, Brass Bands und Harmonien sind für die Entwicklung von Bläsern und Schlagzeugern enorm wichtig. Als Orte des Lernens, der Kultur und des Austauschs wecken sie Neugier, Begeisterung und ermutigen junge Menschen, ein Instrument zu erlernen.
Die Dachverbände spielen bei der Unterstützung der Musikvereine eine wichtige Rolle: Sie begleiten diese in ihrer Entwicklung, indem sie ihnen Ideen und Ressourcen zur Verfügung stellen, um ihre Programme und Konzerte neu zu gestalten. Indem sie Musik mit anderen Künsten verbinden und originelle Projekte anbieten, können sie junge Menschen ansprechen, an die Vereine binden und sie für ein langfristiges Engagement ermutigen.

Im Kanton Neuenburg beruht die gute Partnerschaft zwischen dem CMNE und den Musikvereinen eher auf gegenseitiger Ergänzung als auf Konkurrenz. Jede Einrichtung soll sich auf ihren pädagogischen und künstlerischen Auftrag konzentrieren, um die Freude an der Musik zu vermitteln, damit sich die Schüler entfalten können.
Musik ist eine universelle Sprache, die Brücken zwischen Generationen und Kulturen schlägt, wie das «West-Eastern Divan Orchestra» zeigt - ein Projekt des Pianisten und Dirigenten Daniel Barenboim, das junge israelische und palästinensische Musiker zum Dialog und gegenseitigen Zuhören zusammenbringt.
Die Kompetenzzentren des SBV sollten mit Schulen und Musikvereinen zusammenarbeiten, um einen abgestimmten und sich ergänzenden Ausbildungsweg zu schaffen. Sie dürfen keinesfalls als parallele Struktur wahrgenommen werden.
Sie können gemeinsame Projekte anbieten - regionale Ferienlager, Instrumentenworkshops, schulübergreifende Bläserensembles, Meisterkurse, Schnuppertage oder Prüfungsvorbereitungen -, die den Jungen einen strukturierten Lernweg mit fliessenden Übergängen zwischen den einzelnen Einrichtungen ermöglichen. Die Idee wäre, anstelle einer zunehmenden Vielfalt sich überschneidender Angebote einen durchgängigen Ausbildungsweg zu schaffen.
Ja, das erscheint mir sinnvoll. Der erste Schritt sollte von den Kompetenzzentren ausgehen, um pädagogische und künstlerische Kooperationen mit den Konservatorien und Hochschulen zu initiieren. Diese Partnerschaften könnten Schnittstellen zwischen Fachwissen, Praxis und anderen Ansichten schaffen, um auch hier eine Dynamik der gegenseitigen Ergänzung und Kreativität zu erzeugen.
Als Musikberater beim RTS, insbesondere für die Sendung «Kiosque à Musiques», aber auch als Experte bei verschiedenen Wettbewerben bin ich immer wieder beeindruckt von diesen jungen Leute, die unsere Ensembles bereichern und mit Leben füllen.
Der Stolz und die Begeisterung dieser jungen Menschen berühren mich. Sie spielen nicht nur, sondern vertreten ihr Dorf und ihren Verein. Daher schätze ich die Zukunft der Blasmusik durch und durch positiv ein.
Die Kluft zwischen Amateuren und Profis hat sich deutlich verringert. Zum Glück - denn in Musikcamps sind die Konservatoriumsdozenten und Orchestermusiker oft beeindruckt von der Leidenschaft, der Energie und dem Teamgeist der Blasmusiken - von denen sich die Profis manchmal eine Scheibe abschneiden könnten.
Projekte, die verschiedene Kunstformen miteinander vermischen, fördern offenes Denken, Neugier und die Entdeckung anderer Kulturen und Sichtweisen. Diese Vielfalt regt eine positive Gruppendynamik an, in der Unterschiede zu einer Quelle der Bereicherung und Inspiration werden. Diese Vielfalt hat meiner Meinung nach ausschliesslich Vorteile.
Eine schwierige Frage ... bei dieser Bestimmung stehen die Musikausbildungsstätten im Zentrum, können ihre Umsetzung jedoch nicht allein bewältigen. Die Erfüllung des Verfassungsartikels im Bereich der musikalischen Bildung erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Behörden, Schulsystem, Musikschulen und Konservatorien.
Wenn die Musik an öffentlichen Schulen aufgewertet wird, fördert sie die künstlerische, kognitive und persönliche Entwicklung der Kinder und stärkt gleichzeitig Kompetenzen wie Konzentration, Kreativität, Selbstvertrauen, Ausdauer und Sozialkompetenz sowie die Fähigkeit, sich auszudrücken und somit ihren Platz in einer Gruppe zu finden.

Ich möchte den Vorständen, Musikkommissionen und allen Musikerinnen und Musikern für ihr unermüdliches Engagement danken und ihnen Anerkennung zollen. Unsere Musikvereine spielen eine pädagogische, künstlerische, soziale und generationsübergreifende Rolle. Sie sind ein Abbild der Vielfalt unserer Gesellschaft. Beim gemeinsamen Musizieren verblassen Unterschiede und Emotionen werden mit dem Publikum geteilt. Für einen Dirigenten ist das die schönste Belohnung.
Persönliches
1966 in Le Locle (NE) geboren, aufgewachsen in La Chaux-du-Milieu (NE), lebt heute in les Bayards.
Curriculum vitae
Seine ersten Töne spielte er 1975 an der Musikschule von La Chaux-du-Milieu. Zwei Jahre später trat er am Konservatorium La Chaux-de-Fonds der Posaunenklasse von Jean-Pierre Beltramià bei und wechselte 1988 - weiterhin auf demselben Instrument und an derselben Schule - in die Klasse von Jacques Henry. Dort belegte er zudem von 1991 bis 1993 einen Dirigierkurs unter der Leitung von John Glenesk Mortimer. Mit dem Bachelor in der Tasche schrieb er sich 1994 an der Musikhochschule Basel in der Posaunenklasse von Heinrich Huber ein, wo er 1997 seinen Master in Music Performance erwarb.
Derzeit ist er Soloposaunist beim Ensemble Symphonique Neuchâtel (ESN), beim Nouvel Ensemble Contemporain (NEC), dessen Gründungsmitglied er ist, und beim Orchestre des Jardins Musicaux. Daneben tritt er regelmässig als Solist auf.
Er unterrichtet Posaune am CMNE, wo er auch Vorstandsmitglied und stv. Direktor ist, sowie künstlerischer und pädagogischer Leiter der Abteilungen Bläser & Schlagzeug ACMNE (im Rahmen der Partnerschaft zwischen ACMN und CMNE), der Jazzabteilung und der Musiktheorie. Zudem ist er für die Logistik der vier Hauptstandorte und der fünfzehn dezentralen Standorte des CMNE zuständig. Er leitet die Wind Band Neuchâtelois (WBN) und ist musikalischer Berater von RTS für die Sendung «Le Kiosque à Musiques».
«Was mir nebst der Musik wichtig ist»
«Ich geniesse die Zeit mit meiner Familie, das Lesen, Kinobesuche, Ausflüge mit dem Seitenwagen und bin ein begeisterter Fan des HCC. Aber die Musik ist nie weit weg; ich gebe übrigens zu, dass mich Bach, Mozart (insbesondere die ‹Winterreise›) sowie Strawinsky (die Phase der russischen Ballette, 1910 bis 1928) faszinieren.»