Die 11. Conducting Competition 2026 (CC26), ehemals Dirigentenwettbewerb, fand neu im Rahmen des SWISS WINDBAND AWARD vom 10.-13. September in Baden statt. Die Wettbewerbsjury zeichnete die Finalteilnehmenden Luca Belz (BE) und Romain Gili (LU) mit je einem zweiten und Julia Wyser (TG) mit einem dritten Preis aus. Unisono hat wenige Tage nach dem Final mit der Preisträgerin und den beiden Preisträgern gesprochen.
Luca Belz (LB): Ich habe es erst teilweise realisiert und es wird wohl noch ein paar Tage dauern, bis ich es ganz nachvollziehen kann. Die Wettbewerbstage waren sehr intensiv und nach der Vorrunde ging es Schlag auf Schlag weiter. Nach dem Final fühlte ich mich sehr müde, war aber dennoch überwältigt. Die Preisauszeichnung bedeutet mir sehr viel und ist eine riesige Ehre für mich.
Romain Gili (RG): Abgesehen vom Ergebnis denke ich vor allem daran, was mir den Weg dorthin ermöglicht hat. Die vier Tage in Baden waren anstrengend, aber die Vorbereitung war es noch viel mehr. Der grösste Teil der Arbeit eines Musikers ist unsichtbar und einsam, wir müssen vorbildliche Disziplin an den Tag legen. Ich bin vor allem stolz auf den Weg, der mich ins Finale geführt hat und der vor Jahren begann. Es ist in der Tat eine Art Erfüllung, und doch nur eine Etappe.

Als Dirigent glaube ich, dass wir es unseren Musikern und dem Publikum überlassen sollten, das Ergebnis unserer Arbeit zu beurteilen. Ich für meinen Teil schaue lieber darauf, was ich noch lernen muss. Die Musiker sind zu leidenschaftlich bei ihrem Beruf, um sich mit dem zufrieden zu geben, was sie bereits wissen.
Julia Wyser (JW): Noch nicht ganz. Am Montag nach dem Wettbewerb bin ich direkt in mein Masterstudium an der ZHdK gestartet. Ich glaube, mit etwas Abstand wird dieser Erfolg noch mehr bei mir ankommen.
LB: Sie bedeutet mir sehr viel. Es ist schön, wenn die wochenlange Arbeit so honoriert wird und man alle vier Runden von der Qualifikation über die Vorrunde und den Halbfinal bis zum Final bestreiten darf. Der Preis bestätigt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin, und bestärkt mich, meiner Leidenschaft weiter zu folgen, denn Dirigieren ist das, was ich am liebsten mache. Des Weiteren habe ich den Austausch mit Gleichgesinnten rund um den Wettbewerb sehr geschätzt.

RG: Die Vorbereitung auf den Wettbewerb nimmt viele Stunden in Anspruch, doch das ist nur ein Bruchteil der Arbeit, die nötig war, um so weit zu kommen. Das Dirigieren ist ein Handwerk, das man über Jahre hinweg erlernt und das eine präzise und makellose Technik erfordert. Diese Auszeichnung zeigt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin, und bestärkt mich darin, meine Bemühungen fortzusetzen. Die Momente, die ich bspw. mit dem Symphonischen Blasorchester Schweizer Armeespiel verbringen durfte, waren eine wunderbare Belohnung für meine Arbeit.
JW: Die Preisauszeichnung bedeutet mir sehr viel. Es ist für mich eine grosse Wertschätzung meiner bisherigen Arbeit. Durch die Vorbereitung und den Wettbewerb selbst habe ich unglaublich viel gelernt. Zum Beispiel den Umgang mit Druck, eine spannende Probe mit einem völlig fremden Orchester zu gestalten und meinen musikalischen Vorstellungen zu vertrauen. Ich nehme vor allem viel Selbstvertrauen und Motivation mit für meinen weiteren Weg.

LB: Ich verfolge den Wettbewerb schon länger - war auch schon als Musiker dabei - und mir ist aufgefallen, dass er insbesondere auf Social Media viel mehr beworben und daher beachtet worden ist. Das hat für uns Dirigierende und die Orchester mehr Aufmerksamkeit generiert. Zudem war es für Interessierte auch möglich, den Wettbewerb aus der Ferne zu beobachten, das finde ich sehr positiv. Daher kann ich mir auch gut vorstellen, dass dieser Erfolg Türen öffnet und bin gespannt, was sich daraus ergibt. Ausserdem hat der Wettbewerb polarisiert und während sowie nach dem Anlass viele unterschiedliche Diskussionen hervorgerufen. Das finde ich sehr spannend!
RG: Meine Teilnahme am Wettbewerb hat mir zwar eine gewisse Bekanntheit verschafft, aber für einen Dirigenten zählt letztendlich die Art und Weise, wie er seine Arbeit verrichtet. Ich versuche mir selbst treu zu bleiben und jeden Auftrag mit derselben Ernsthaftigkeit vorzubereiten. Kein Preis sollte uns glauben lassen, dass wir schon alles gelernt haben, sondern uns vielmehr zum Weitermachen motivieren. Ich habe das Glück, über einen breiten musikalischen Horizont zu verfügen, und bin offen für die Möglichkeiten, die sich mir bieten werden. Ich freue mich auf den weiteren Verlauf meiner Karriere!
JW: Ich durfte mich durch die Wettbewerbsteilnahme einem breiteren Publikum und verschiedenen Orchestern zeigen. Ich bin gespannt, was sich daraus an neuen Kontakten, Projekten und Möglichkeiten ergeben wird.

LB: Ich habe grossen Spass gehabt, vor diesen verschiedenen Orchestern zu stehen, gemeinsam mit ihnen zu musizieren und Emotionen zu transportieren. Ich habe gespürt, dass die Musikerinnen und Musiker alle sehr «pro Dirigent» waren, das hat mich gefreut.

RG: Abgesehen vom Ergebnis bleibt mir vor allem die Freude am gemeinsamen Musizieren in Erinnerung. Alle Musiker waren während dieser vier Tage unglaublich aufmerksam und bemüht, uns zu unterstützen. Das Lächeln und die Komplimente derjenigen, denen es Spass gemacht hat, unter meiner Leitung zu spielen, sowie die Glückwünsche und die Begeisterung des Publikums sind die schönsten Auszeichnungen, die ich erhalten kann. Genau das wünsche ich mir für meinen weiteren Weg: meine Leidenschaft weiterhin an die Musiker und das Publikum weiterzugeben.
JW: Vor meinem jeweiligen Slot war ich ziemlich angespannt. Als ich dann vor dem Orchester stand, fühlte ich mich aber sehr wohl. Ich konnte mich ganz auf die Musik fokussieren und habe das gemeinsame Musizieren mit jedem Orchester sehr genossen.

Der Dirigierwettbewerb besteht aus drei Teilen und hat die Teilnehmenden vor unterschiedliche Herausforderungen gestellt.
In der Vorrunde probten die neun Qualifizierten während zwanzig Minuten mit dem WindOrchestra Baden Wettingen, einem Orchester der zweiten Stärkeklasse Harmonie, eine dem Orchester unbekannte Komposition. Die Jury bewertete dabei vor allem die Probenmethodik.
Sechs Dirigiertalente qualifizierten sich für den Halbfinal. Dort standen ihnen fünf Minuten zur Verfügung, um mit der Elite-Formation Brass Band Emmental ein ihnen bekanntes Werk zu proben, das anschliessend direkt aufgeführt wurde. Der Fokus lag auf der Dirigiertechnik.
Wie bereits bekannt, qualifizierten sich Julia Wyser, Luca Belz und Romain Gili für den Final. Dort dirigierten sie das Symphonische Blasorchester Schweizer Armeespiel, eine Höchstklasse-Formation.
Julia Wyser eröffnete den Final mit «Quadrant des rêves, Poème chorégraphique» von Franco Cesarini. Luca Belz folgte mit Paul Hubers «Vision» in einer Edition von Carlo Balmelli. Den Abschluss machte Romain Gili mit Jean Balissats «Gli Elementi». Für jedes Werk standen den Finalteilnehmenden zuvor 45 Minuten Probenzeit mit dem Orchester zur Verfügung.
Das Los bestimmte in allen Wettbewerbsteilen die Startreihenfolge und die Werke. Deshalb mussten die Teilnehmenden vorgängig sämtliche acht Kompositionen vorbereiten. Dies waren die Werke:
Mit Annick Villanueva (F), Chiara Vidoni (I) und Stefan Roth (CH) war die Jury international besetzt. Die Wettbewerbsanforderungen sind enorm hoch, deshalb hat die Jury in diesem Jahr keinen ersten Preis vergeben. Eine Auszeichnung in diesem Wettbewerb zu erreichen ist in jedem Fall ein grosser Erfolg - auch wenn es ein zweiter oder ein dritter Preis ist.
Alle Wettbewerbsteile waren öffentlich; insbesondere die Vorrunde und der Final stiessen auf grosses Publikumsinteresse.

