Das sinfonische Blasorchester aulos, der SBV und vier Hochschulen bündeln ihre Kräfte fürs Blasmusikwesen und gestalten im März 2026 gemeinsam die Swiss Conducting Days.
Mit diesem Format entsteht eine starke Plattform an der Schnittstelle zwischen der Ausbildung und Praxis: Das sinfonische Blasorchester aulos und die vier Schweizer Musikhochschulen Basel, Bern, Luzern und Freiburg legen ihre Kompetenzen zusammen, um die nächste Generation von Blasorchesterdirigentinnen und -dirigenten gezielt zu fördern - und damit zugleich das Schweizer Blasmusikwesen nachhaltig weiterzuentwickeln.
An sechs intensiven Tagen treffen Studierende, Dozierende, Musizierende und zentrale Partner der Szene aufeinander: darunter der Schweizer Blasmusikverband (SBV), der Schweizer Dirigentenverband und die Schweizer Militärmusik. Im Zentrum stehen Meisterkurse, Repertoirearbeit auf hohem Niveau und der direkte Austausch.


Benedikt Hayoz (BH): Die Grundidee der Swiss Conducting Days ist es, Dirigierstudierenden der vier Schweizer Musikhochschulen mit dem Studiengang Blasmusikdirektion die Möglichkeit zu geben, praktische Erfahrung mit Ensembles auf hohem Niveau zu sammeln.
BH: In Zusammenarbeit mit dem aulos sind sie als hochschulübergreifender Meisterkurs konzipiert. Dadurch ergibt sich ein wertvoller Austausch mit den Dozierenden der anderen Hochschulen, wodurch die Studierenden unterschiedliche Impulse und Perspektiven erhalten.
BH: Für angehende Dirigenten ist es oft eine zentrale Herausforderung, das im Unterricht Gelernte auch wirklich praktisch anzuwenden. Anders als bei Instrumentalistinnen und Instrumentalisten, die zu Hause üben und dann in einem Ensemble spielen, brauchen Dirigierende für die praktische Anwendung immer echte Ensembles vor sich. Bezogen auf die Bandbreite der vierten Klasse bis zum professionellen Ensemble ist das nicht immer einfach zu organisieren.
BH: Genau. Die Hochschulen schaffen Gelegenheiten, damit die Studierenden auch mit hochkarätigen und wo möglich mit professionellen Ensembles zusammenarbeiten können. Dadurch lernen sie, wo der Weg hinführen kann und was es heisst, auf unterschiedlichen Levels zu arbeiten - sei es mit Profis oder mit Laienensembles. Das ist ein zentraler Beitrag der Hochschulen für die ganze Blasmusiklandschaft.
BH: Es braucht eine ausgewogene Balance zwischen musikalischen, pädagogischen und sozialen Kompetenzen, deren Gewichtung je nach Situation, Probenphase oder menschlicher Zusammensetzung des Orchesters variiert. Am Anfang der Karriere ist ein hohes musikalisches Niveau zentral, denn das bildet die Grundlage jeder dirigentischen Arbeit.
BH: Viele Menschen engagieren ehrenamtlich und investieren ihre Freizeit. Dieses Engagement verlangt nach Wertschätzung: Dirigentinnen und Dirigenten sind gefordert, ihre Professionalität so einzubringen, dass sie musikalische Qualität fördern und zugleich Motivation stiften.
Richtig. Ebenso wichtig ist die Fähigkeit, Menschen abzuholen, zu führen und zu inspirieren - im Laienbereich ebenso wie im professionellen Umfeld. Dirigieren bedeutet, Verantwortung für den gemeinsamen Prozess zu übernehmen und Räume zu öffnen, in denen alle ihr Bestes geben können.
BH: Für die Studierenden, die im Alltag oft mit sehr unterschiedlich aufgestellten Vereinen arbeiten, ist es eine ganz neue und wichtige Erfahrung, einmal mit einem Orchester auf professionellem Niveau zu arbeiten.

BH: Sie lernen, dass man mit einem anderen Ansatz an die Proben herangehen muss, wenn man es mit professionellen Musikerinnen und Musikern zu tun hat. Diese erwarten klare Führung, Inspiration und eine präzise Vorstellung davon, was die Dirigentin oder der Dirigent interpretatorisch erreichen möchte, aber auch Respekt vor der Professionalität und Musikalität, welche die Musizierenden mit- und einbringen.
BH: Ja, die Studierenden müssen oft mit sehr wenig Probenzeit auskommen, manchmal nur mit drei Proben, bis das Konzert stehen muss. Das ist ein echter Paradigmenwechsel für junge Dirigentinnen und Dirigenten, die es sonst gewohnt sind, über Wochen oder Monate mit Vereinen zu arbeiten. All das sind wertvolle Erfahrungen, die ihnen in ihrer zukünftigen Laufbahn enorm zugutekommen.
BH: Der grosse Mehrwert liegt darin, die Ressourcen, Profile und das Engagement der verschiedenen Hochschulen und Partner gezielt zu bündeln und zu würdigen. Beispielsweise ist Aarau ein wichtiger Standort: Die dort ansässige Militärmusik steht seit über einem Jahrhundert als Garant für Qualität und Ausbildung in der Blasmusikszene.
BH: Diese Art der Zusammenarbeit verhindert, dass jede Hochschule isoliert arbeitet, und wir können dadurch viel stärker zusammenwachsen. Ich hoffe, dass wir diese Kooperation in den nächsten Jahren noch weiter ausbauen können.
BH: Die Möglichkeit, Einblicke in die Hochschularbeit zu erhalten und junge Dirigenten kennenzulernen. Gleichzeitig profitieren die Ensembles selbst vom Arbeiten mit unterschiedlichen künstlerischen Handschriften und erleben unmittelbar, wie stark dirigentische Impulse Klang und Ausdruck prägen.
BH: Diese wechselseitigen Erfahrungen fördern die Vernetzung und stärken das gegenseitige Verständnis innerhalb der Schweizer Blasmusikszene.
BH: Jede Studentin und jeder Student arbeitet mit mehreren Dozierenden unterschiedlicher Hochschulen zusammen und erhält direktes, persönliches Feedback aus verschiedenen fachlichen Perspektiven. So treffen unterschiedliche künstlerische Hintergründe, pädagogische Ansätze und Spezialisierungen aufeinander - eine Intensität, die an einem einzelnen Standort kaum möglich wäre.
BH: Richtig, auch ihre Kommilitonen und Kommilitoninnen, die als Zuhörende dabei sind, profitieren. Sie nehmen ebenfalls wertvolle Impulse, Beobachtungen und neue Perspektiven mit. Darüber hinaus sind ausgewählte Meisterkurse öffentlich zugänglich und ermöglichen auch Interessierten ausserhalb der Hochschule Einblicke in die Arbeit und Ausbildung zukünftiger Blasorchesterdirigent/-innen.

BH: Die Repertoirepolitik spielt eine zentrale Rolle für die Entwicklung des Blasmusikwesens. Sie entscheidet nicht nur darüber, welche Werke gespielt werden, sondern prägt auch die musikalische Bildung und den Horizont der Musiker.
BH: Für unsere Studierenden ist es besonders wichtig, dass sie im Unterricht über das in Vereinen übliche Repertoire hinaus bedeutende Werke kennenlernen. Daher ist dies in allen Studienplänen der Musikhochschulen ein zentraler Punkt. Es ist entscheidend, dass zukünftige professionelle Dirigentinnen und Dirigenten dieses spezifische Repertoire nicht nur kennen, sondern aktiv dirigiert haben.
BH: Ich hoffe, dass diese gemeinsame Initiative der vier Musikhochschulen und des sinfonischen Blasorchesters aulos zusammen mit dem SBV und anderen Partnern nachhaltig wahrgenommen wird. Darüber hinaus wünsche ich mir, dass sich die Hochschulen als feste Partnerinnen in der Weiterentwicklung der Blasmusiklandschaft etablieren und wahrgenommen werden. Im Idealfall wird dieses Format in einem regelmässigen Rhythmus – etwa alle drei Jahre – stattfinden und sich dabei stetig weiterentwickeln.
BH: Ich habe die Idee initiiert und hoffe natürlich, dass meine Kollegen auf den Geschmack kommen und helfen, das Projekt weiterzutragen. Die Swiss Conducting Days sind damit ein Baustein in der fortlaufenden Zusammenarbeit zwischen dem SBV und den Musikhochschulen, um gemeinsame Plattformen für den Austausch und die Vernetzung zu schaffen. Hier können sich engagierte Menschen vernetzen und gemeinsam Lösungen für die Herausforderungen finden, mit denen wir tagtäglich konfrontiert sind.
Am Ende geht es darum, die Zukunft der Blasmusik aktiv mitzugestalten, indem wir Studierende fördern, die Vereine inspirieren und die gesamte Szene stärken, um so eine lebendige, vielfältige und nachhaltige Blasmusikkultur zu sichern.
Zum Abschluss der Swiss Conducting Days dirigieren Studierende der Mastervertiefung Dirigieren Blasmusik das Sinfonische Blasorchester aulos.